Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg

Entomologie

Insekt des Jahres



Schmetterling des Jahres 2026: Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous), gehört zur Familie der Bläulinge. Er wird auch als Schwarzblauer Bläuling oder Schwarzblauer Moorbläuling bezeichnet.
Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 28 bis 33 Millimeter. Das Weibchen ist unscheinbar mit einfarbig dunkelbraunen Vorderflügeln. Bei dem Männchen sind die Vorderflügel dunkelblau mit breitem dunklem Rand. Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern graubraun mit bogenförmig gereihten schwarzen Punkten, die hell umrandet sind. Bläulinge unterscheidet man übrigens am besten anhand der Flügelunterseite.

Die Tiere kommen vor allem zwischen Mitteleuropa und dem Ural vor. In Deutschland sind sie in Süd- und Mitteldeutschland zu finden, aber nur im Alpenvorland häufiger, sonst sind sie fast überall selten geworden. Ihr Lebensraum sind Feuchtwiesen und Moorwiesen, da sie an den Großen Wiesenknopf gebunden sind. Die Falter ernähren sich von dem Nektar, sie schlafen und paaren sich auf ihm. Auch ihre Eier legen sie ausschließlich auf dem Großen Wiesenknopf ab, der später den jungen Raupen als Futterpflanze dient.

Die Falter fliegen in einer Generation von Mitte Juni bis Mitte August.

Faszinierend ist der Entwicklungszyklus. Die Eier werden einzeln an den noch nicht aufgeblühten Knospen des Großen Wiesenknopfs abgelegt. Die nach ca. 8 Tagen schlüpfenden Raupen fressen zunächst die Blütenköpfe der Futterpflanzen von innen her auf.
Nach der dritten Häutung lassen sie sich fallen und warten auf ihre Wirtsameisen – Knotenameisen der Gattung Myrmica (vornehmlich Myrmica rubra, die Rotgelbe Knotenameise).
Die Ameise betrillert die Raupe mit den Fühlern und statt anzugreifen, trägt sie die Raupe ins Nest. Neben Honigdrüsen scheint die Raupe auch einen Duft zu produzieren, der dem der Ameisenbrut ähnelt, was zu diesem Verhalten führt.
Einmal im Ameisennest untergebracht, werden sie von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung räuberisch von deren Eiern und Larven ernähren. Im Gegenzug überlassen sie den Ameisen ein zuckerhaltiges Sekret.
Die Verpuppung erfolgt im Frühjahr. Nach dem Schlüpfen muss der Falter das Nest schnell verlassen, da jetzt die Tarnung nicht mehr greift. Erst im Freien pumpt er seine Flügel auf.

Die Art ist europaweit gefährdet, da sie nicht nur auf die entsprechende Wirtspflanze, sondern auch auf die Ameisen angewiesen ist.
Systematik:
Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie:
Bläulinger (Lycaenidae)
Gattung:
Phengaris
Art:
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Phengaris nausithous)


Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Foto: Detlev Cordes

Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling - Oberseite Männchen
aus der Sammlung der NHG

Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling - Oberseite Weibchen
aus der Sammlung der NHG




Insekt des Jahres 2026: Warzenbeißer

Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) gehört zu den Langfühlerschrecken.
Den seltsamen Namen verdankt er seinem kräftigen Biss und dem Umstand, dass man die Tiere früher in Warzen beißen ließ, da man sich durch die ätzenden Verdauungssäfte eine heilende Wirkung erhoffte.
Die Männchen werden bis 38 Millimeter, die Weibchen bis 44 Millimeter lang. Die Färbung variiert zwischen leuchtend grün, gelbbraun und schwarzbraun, vielfach sind die Tiere gescheckt. Die Fühler sind etwa körperlang. Die Flügel haben dunkelbraune Würfelflecken und wirken im Vergleich zum gedrungenen Körper klein. In der Ruhestellung überdecken die Vorderflügel die kürzeren Hinterflügel vollständig. Die lange Legeröhre der Weibchen ist leicht nach oben gebogen. Die paarigen Hinterleibs-Anhänge der Männchen tragen hinter der Mitte Zähnchen.

Der Warzenbeißer ist in Europa und Asien verbreitet. Im Norden reicht die Verbreitung bis in den Süden Englands und Skandinaviens. Als Habitat bevorzugt er Trockenrasen und niedrig wachsenden Bergwiesen, auch auf Ackerbrachen ist er zu finden.

Warzenbeißer sind tagaktiv. In Mitteleuropa findet man die erwachsenen Tiere ab Anfang Juni, aber vorwiegend im August.
Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, jedoch auch von Pflanzen.

Die geschlechtsreifen Männchen singen bei Sonnenschein und Temperaturen ab 23° C um die Weibchen anzulocken und Rivalen zu vertreiben. Sie haben einen artspezifischen Gesang, der aus langen Folgen von kurzen Zick-Lauten besteht, die durch Intervalle getrennt sind. Das Lautorgan befindet sich an der Basis der Vorderflügel. Auf dem linken Flügel ist die Schrillleiste mit den Schrillzähnen. Beim Singen streicht die Schrillleiste über die Schrillkante des rechten Flügels.
Bei der Paarung im Spätsommer und Herbst klammert sich das Männchen mit den Vorderbeinen an der Legeröhre des Weibchens an. Das Weibchen legt dann 200 bis 300 helle Eier im Boden ab. Nicht alle schlüpfen im nächsten Jahr. Manche überdauern dort bis zu sieben Jahren.
Bis die Larven ausgewachsen sind, vergehen zirka eineinhalb Jahre. Auch wenn die Jungtiere sich in hoher Vegetation verstecken, ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch.
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Warzenbeißer - Weibchen
Foto: Heinz Hubert

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Warzenbeißer - Männchen
Foto: Heinz Hubert

Systematik:
Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Heuschrecken (Orthoptera)
Familie:
Laubheuschrecken (Tettigoniidae)
Gattung:
Decticus
Art:
Warzenbeißer
(Decticus verrucivorus)




Libelle des Jahres 2026: Gemeine Winterlibelle

Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist, neben ihrer seltenen Schwesterart, der Sibirischen Winterlibelle, die einzige heimische Libelle, die als erwachsenes Insekt überwintert.

Die Flügellänge der Winterlibelle beträgt 20-22 Millimeter. Der Körper ist schlank, der Hinterleib mit 27-29 cm relativ lang. Männchen und Weibchen sind fast identisch gefärbt. Die Grundfärbung reicht von einem hellen Beige bis Braun. Die braunen Stellen schimmern kupferfarben und bilden auf dem Hinterleib ein Muster aus lanzenförmigen Flecken. Die Brust der Tiere zeigt seitlich zwei dunkle Binden. Im Frühjahr dunkeln die Tiere nach und die Komplexaugen können oben einen bläulichen Ton annehmen. Ihre Flügel legen sie in Ruhestellung über dem Körper zusammen. Dies ist untypisch für Teichjungfern.

Verbreitet ist die Art vor allem im europäischen Mittelmeerraum. Sie kommt aber auch in Mitteleuropa und östlich bis zum Ural vor.

Im Gegensatz zu früher wird sie nach neueren Untersuchungen nicht mehr als gefährdet eingeschätzt. Zum einen beruht dies auf neuen Fundorten, zum anderen wird vermutet, dass das Tier auf Grund seiner guten Tarnung in der Vergangenheit oft übersehen wurde.

Die Gemeine Winterlibelle bevorzugt flache Gewässer mit bewachsenen Ufern, in Bayern fast nur Stillgewässer, die sich schnell erwärmen. Zum Herbst hin entfernt sich die Winterlibelle oft einige km vom Gewässer und sucht nach geeigneten, vor Wind und Kälte geschützten Überwinterungsplätzen.

Es gibt zwei Flugzeiten. Die Generation aus dem Vorjahr findet man bis Juli, die nächste Generation ab Mitte August.

Zur Paarung warten die Männchen an, im Vergleich zur Umgebung besonders warmen Stellen, auf die später am Tag eintreffenden Weibchen. Die im Paarungsrad stattfindende Paarung dauert dann einige Minuten bis zu einer halben Stunde. Danach bohrt das Weibchen mit üblicherweise weiter angekoppeltem Männchen die Eier an verschiedenen Plätzen in schwimmende, abgestorbene Pflanzenteile. Pro Tag legt sie um die 350 Eier. Zur Entwicklung brauchen die ungefähr einen Millimeter langen Eier zwischen drei und sechs Wochen. Direkt nach dem Schlupf ist die Larve dunkel bis Gräulich-Gelbbraun und im Vergleich mit anderen Kleinlibellenlarven relativ klein. Sie halten sich meist in Tiefen um die 20 Zentimeter auf. Mit der dritten Häutung treten erstmals Flügelscheiden auf, und nach der achten Häutung kommt es zur Verwandlung. Zu dieser wählt die Gemeine Winterlibelle Orte bis zu 35 Zentimeter über der Wasseroberfläche, die vormittags zur Hauptschlupfzeit gut besonnt sind. Die geschlüpften Libellen begeben sich zur Reife in lichtes Unterholz oder an Stellen, die mit Adlerfarn bewachsen sind. Danach wählen sie bevorzugt braune Äste, auf denen sie gut getarnt sind.
Gemeine Winterlibelle

Gemeine Winterlibelle - Männchen
Foto: Eva-Maria Neupert

Gemeine Winterlibelle

Gemeine Winterlibelle - Weibchen
Foto: Rüdiger Weiskopf

Systematik:

Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Libellen (Odonata)
Familie:
Teichjungfer (Lestidae)
Gattung:
Winterlibellen (Sympecma)
Art:
Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

Zum Insekt des Jahres: 2026, 2025, 2024, 2023, 2022, 2021, 2020, 2019,

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